Die Aufnahmelogik des Enterprise-Systems
Welche Einschränkungen bei der gleichzeitigen Aufnahme mehrerer Sendungen gibt es, und warum?
Enterprise kann bekanntlich nur digitales Fernsehen (DVB = Digital Video Broadcasting) empfangen. Es stehen dafür zwei völlig unabhängige Tuner-Module zur Verfügung.
Damit ist es gewährleistet, das mindestens zwei Sendungen gleichzeitig aufgenommen werden können. Maximal sind dies acht Sendungen (programmierte oder manuell gestartete Aufnahmen) und zwei Timeshift-Aufnahmen. Aber für die Aufnahmen drei bis zehn gelten Einschränkungen:
1. Die Transponder-Problematik
Transponder ist die technische Bezeichnung für ein Senderbündel. Jedes Senderunternehmen, der z.B. über ASTRA ausstrahlt, hat mindestens einen solchen Transponder von ASTRA gemietet. Ein Transponder ist eigentlich eine bestimmte Frequenz, über die der Satellit nun eine bestimmte Datenmenge zum Empfänger (beim Verbraucher) übertragen kann.
Diese Datenmenge kann der Sender nach seinen eigenen Vorstellungen nutzen. Im Prinzip kann er die gesamte Bandbreite für einen einzigen sehr hochwertigen, nur gering komprimierten Kanal nutzen – oder auch für fünfzehn sehr stark komprimierte und damit minderwertige einzelne Kanäle. Die Kanäle, die auf einem Transponder gesendet werden, nennt man auch Bouquet. Das Bouquet des Senders RTL umfasst zum Beispiel auch RTL Zwei etc.
In der Regel sind etwa acht Kanäle auf einem Transponder zusammengefasst. Wird also jetzt die Frequenz dieses Transponders eingestellt, dann kann ein einziger Tuner alle Kanäle, die vom Betreiber auf diesem Transponder gesendet werden, gleichzeitig empfangen.
Die Kanäle sind innerhalb des Transponders „gebündelt“. Das bedeutet, es wird viel Rechenzeit benötigt, um die einzelnen Kanäle zu isolieren. Deshalb können viele preiswerte digitale Rekorder auch nur einen Kanal pro Transponder aufnehmen bzw. dekodieren – die „Entwirrung“ der Kanäle benötigt viel Rechenpower, also eine starke CPU - die Billiggeräte nicht zur Verfügung haben.
Enterprise kann vier Kanäle eines Transponders (plus zwei Timeshift-Aufnahmen) aufzeichnen und liegt damit zur Zeit im Konkurrenzvergleich weit vorn.
Mit zwei Tunermodulen können also zwei Transponder gleichzeitig empfangen werden. Pro Transponder können ja vier Aufnahmen erfolgen, plus die beiden TimeShift-Aufnahmen. So kommt man auf die maximale Aufnahmezahl.
Aber wenn beide Transponder festgelegt sind (eben durch eine oder mehrere laufende Aufnahmen auf diesen Transpondern), dann kann der Anwender nur noch die übrigen Kanäle dieser beiden Transponder nutzen. Seine Senderauswahl ist dann auf ca. 16 Kanäle begrenzt. Wenn auf einen anderen Kanal (der ja dann auf einem dritten Transponder liegen würde) umgeschaltet werden soll, so erfolgt deshalb eine Meldung („Umschalten ist nicht möglich“).
Wir haben übrigens eine Senderliste definiert (also als Pseudo-Fernsehzeitschrift hinterlegt), die „Bouquet“ heißt. Diese Senderliste zeigt die Programme nach Transpondern sortiert an.
2. Der Sonderfall Pay-TV (Premiere etc.)
Pay-TV wird üblicherweise verschlüsselt ausgestrahlt. Ohne eine spezielle Karte (SmartCard) kann das Programm nicht empfangen werden – der Bildschirm bleibt schwarz.
Solche Karten können wir durch einen Adapter, ein so genanntes CAM (= Conditional Access Modul, zum Beispiel die Alphacrypt-Module der Fa. MASCOM) betreiben. Also: Alphacrypt-Modul vorn in einen der beiden dafür vorgesehenen CI-Schächte (CI = Common Interface) stecken, Premiere-Karte in das Alphacrypt-Modul stecken – fertig.
Was nun passiert: Die Sendungen werden immer durch das Alphacrypt-Modul gefiltert. Verschlüsseltes Video wird (digital) zum Modul gesendet, das Modul verwendet die SmartCard zur Entschlüsselung und liefert dem Enterprise-Gerät unverschlüsselte Daten zurück.
Enterprise nimmt dann die unverschlüsselten Daten entgegen und speichert oder spielt sie ab, ganz genauso wie FreeTV-Sendungen.
Problem dabei: Das Alphacrypt-Modul schafft nicht mehr als ca. vier Entschlüsselungen zur gleichen Zeit. Für diese vier TV-Sendungen müssen nämlich auch die häufig mehreren Audio-Kanäle sowie der Bildschirmtext dekodiert werden. Technisch gesehen ist jedes dieser Elemente nämlich eine Ausstrahlung für sich und wird mit einem so genannten PID (= Paket Identifier) versehen. Wenn alle Sendungen nur mit einem Tonkanal und ohne Bildschirmtext ausgestrahlt werden, dann könnte Enterprise evtl. sogar bis zu sechs Premiere-Sendungen aufzeichnen – um den Kunden aber nicht noch weiter zu verwirren, haben wir uns auf die sichere Seite begeben und eine Grenze bei vier Aufnahmen gezogen. Mehr als vier Aufnahmen kann man also nicht machen – und wenn vier Aufnahmen gleichzeitig laufen, dann geht auch kein Umschalten auf andere Premiere-Kanäle mehr.
Jedes CI-Modul ist übrigens (transponderabhängig) fest einem der beiden Tuner zugewiesen. Premiere hat aber mehrere Transponder (P 1 bis 7 und P Start sind zum Beispiel auf einem Transponder, der Discovery Channel etc. sind auf einem weiteren, das Sport Portal hat auch einen eigenen Transponder). Wenn also zum Beispiel eine Aufnahme auf Premiere 6 läuft, dann kann nicht auf Discovery umgeschaltet werden – es sei denn, man hätte ein zweites Alphacrypt-Modul mit einer zweiten Premiere SmartCard.
Manchmal passiert es auch, dass man zum Beispiel auf ARD fernsieht und plötzlich meldet das System „Aufgrund einer laufenden Aufnahme muss der Kanal gewechselt werden“. Das passiert auch, wenn sonst keine Aufnahme läuft und beide Tuner voll beschaltet sind. Nach dem automatischen Umschalten steht man auf einem Premiere-Sender (nämlich auf dem, von dem gerade aufgenommen wird), kann aber sofort wieder auf ARD zurückschalten. Der Grund: Durch Zufall hat man zum Schauen gerade den Tuner benutzt, der mit dem CAM-Modul für die Premiere-SmartCard gekoppelt ist. Dieser Tuner wird nun auf Premiere umgeschaltet – das muss so sein, wenn die Premiere-Aufnahme klappen soll. Ein Zurückschalten auf ARD aktiviert den anderen Tuner, und alles ist wieder OK. Ein zukünftiges Software-Update wird vielleicht automatisch mit dem anderen Tuner wieder zurückschalten – dann ist ein kurzer Aussetzer alles, was der Kunde bemerken kann.
Wer zwei CA-Module mit identischen oder unterschiedlichen Karten verwendet, der kann im CAM-Menü (Herztaste auf der Fernbedienung drücken, während man im TV-Teil ist) einzelne Kanäle den CA-Modulen zuweisen.
3. Was tun, wenn nur eine SAT-Dose im Wohnzimmer vorhanden ist?
Die beiden Tunermodule im Enterprise machen nur Sinn, wenn auch beide Tuner mit einem SAT-Kabel (Antenne) beschaltet sind. Viele Anwender haben aber nur einen Anschluss verlegt.
Nun gibt es drei Möglichkeiten:
a) Der Anwender lebt mit der Einschränkung. Also: Nur vier Aufnahmen gleichzeitig (plus zweimal TimeShift), kein Umschalten auf Kanäle anderer Transponder während einer laufenden Aufnahme.
b) Der Anwender rüstet seine Anlage auf. Dazu kann er natürlich einen zweiten Anschluss verlegen lassen. Alternativ dazu kann er auch eine so genannte Ein-Kabel-Anlage installieren (eine Wandlerbox am Antennenanschluss auf dem Dachboden plus ein T-Stück im Wohnzimmer (aus einem SAT-Kabel werden zwei)) – dann hat er eine leicht eingeschränkte Senderzahl, kann aber beide Tunermodule anschließen ohne die Wand aufstemmen zu müssen.
c)
Der Anwender verwendet das mitgelieferte Durchschleif-Käbelchen, welches den Ausgang des Tuners 1 mit dem Eingang des Tuners 2 verbindet.
Die Möglichkeit c) ist für den Anwender natürlich komfortabel und ist a) immer vorzuziehen. Aber gegenüber der Möglichkeit b) gibt es einen signifikanten Nachteil: Bestimmte Sender können schon bei einer einzigen laufenden Aufnahme auf einem anderen Sender nicht mehr erreicht werden.
Der Grund: Satellitenanlagen lassen sich umschalten, und zwar zwischen dem vertikalen und dem horizontalen Betriebsmodus und dem so genannten Hi- und Lo-Band. Man kennt dies aus SAT-Kanalübersichten: Es wird zwischen horizontalen und vertikalen Frequenzen unterschieden. Jeder Transponder lässt sich also neben seiner Frequenz auch noch in vier entsprechende Unterkategorien einteilen (Horizontal/Lo-Band, Horizontal/Hi-Band, Vertikal/Lo-Band, Vertikal/Hi-Band).
Wenn eine Anlage also für das ZDF im horizontalen/Hi-Band Betriebsmodus läuft (und weiterlaufen muss, da eine Aufnahme läuft), dann kann nicht auf SAT1 umgeschaltet werden – denn dieser Sender ist vertikal angeordnet. Auf alle anderen horizontalen/Hi-Band Kanäle kann dagegen ohne weiteres geschaltet werden.
Bei zwei unabhängigen Satellitensignalen ist dies kein Problem – der eine Anschluss kann vertikal, der andere horizontal arbeiten. Beim durchgeschliffenen Betrieb geht das aber nicht – eigentlich gibt es ja nur ein einziges Antennensignal.
Die Einkabelanlagen (Lösung b)) legen einfach die vertikalen Sender (SAT1, Pro7, Kabel1 etc.) auf freie horizontale Frequenzen. Jetzt kann man entweder eine T-Box oder das Durchschleif-Käbelchen verwenden, um beide Tuner zu verdrahten – die Einkabelanlage umgeht also die Problematik des durchgeschliffenen Betriebes, indem sie keinerlei vertikalen Programme aufschaltet. Dabei gehen allerdings alle Kanäle auf dem Lo-Band verloren, was zum Glück zumindest im deutschsprachigen Bereich keine große Einschränkung darstellt (MTV geht aber z.B. nicht mehr...).
Ohne eine solche Einkabelanlage hat man also Einschränkungen schon bei einer laufenden Aufnahme. Man kann entweder alle vertikalen oder alle horizontalen Programme verwenden, aber nicht beide gleichzeitig. Allerdings sind nur wenige Programme vertikal angeordnet. Für deutsche Kunden sind dies:
| SAT1 |
Pro 7 |
Kabel 1 |
DSF |
| TELE5 |
Sonnenklar TV |
N24 |
Bloomberg |
| QVC |
VIVA |
MTV Germany |
Euronews |
| DX-TV |
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Viele verschlüsselte ausländische Sender sind ebenfalls vertikal angeordnet, haben aber im deutschsprachigen Raum keine große Bedeutung. Alle anderen Sender sind horizontal angeordnet – die Einschränkungen halten sich also in Grenzen.
Die offizielle Senderliste von ASTRA im Netz:
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